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News: Die ersten 10: Folge 7 - Fotografen

Dienstag, 10.07.2018

Was hat sich in den letzten 10 Jahren, seit der Wirtschaftskrise und seit iPhone und Facebook für Fotografen geändert? Wir fragten, hörten zu und notierten. Es gab viele klagende Stimmen. Wer sich noch daran erinnert, dass in den Achtzigern jedem Jung-AD ein Porsche als Dienstwagen hingestellt wurde vor dem ersten ADC-Nagel, der findet sich in der heutigen Agentur-Welt nicht mehr zurecht - und erst recht nicht in der zersplitterten Medienlandschaft. Wurden wir dazumals mit Sätzen konfrontiert wie "Was im Suff geschrieben, liest sich auch nur wie im Suff geschrieben", dann mutet die Welt heute eher hektisch an und die vielen Mini-Kampagnen, Content-Marketing-Fragmente verleiten dazu, sich mit "ausreichender" Qualität zu begnügen: „Aus Scheiße kannst Du nur noch Butter machen, nicht mehr Gold, aber das reicht meistens in der Werbung." Böse Worte. Nicht unsere.

Dennoch: Werblich "nutzbare" Fotografie machen nicht mehr nur noch die Profis, die sich eine Ausrüstung mit Planfilm-Kameras und viel, viel Licht leisten können. Fotolia hat vor 10 Jahren die Fotografie erfolgreich "demokratisiert". Dass der Durchschnittspreis einer Bildlizenz seit 2008 fast auf ein Zehntel gesunken ist, hat insofern zwei Gründe, die unabhängig von einander kamen: Die digitale Technik, die einfach mehr Platz für neue, "billige" Fotografen boten - und die Wirtschaftskrise nach dem Zerfall der Lehman Brothers, die viele Unternehmen dazu verleitete, auf die Microstocks zu wechseln. Unser Blick wendet sich auf diejenigen, die damals schon große Fotografie machten und heute ebenso. Wir sprachen mit zwei ganz unterschiedlichen Menschen: Simon Puschmann, der viel aber nicht nur Auto fotografiert und Pando Hall, der mit Stars arbeitet.

Foto: #G20BierRetten, Simon Puschmann. Simon fotografiert nicht für Stock. Aber hier lieferten wir Feuer und lieben die Idee.Foto: #G20BierRetten, Simon Puschmann. Simon fotografiert nicht für Stock. Aber hier lieferten wir Feuer und lieben die Idee.

Simon Puschmann begann seine Karriere in den Achtzigern: Lette-Verein, Assistenz, BFF, fotografierte jahrelang nur auf 4x5 Inch, tobte sich aus, entwickelte dabei (analoge) Techniken, die ihn zu einem der wichtigsten Auto-Fotografen weltweit machten. Mit diesem Handwerkszeug und seinem Motto: #unafraid – keine Angst haben, einfach machen aber auch #unafraid sein vor den Herausforderungen des Jobs und vor neuen Techniken – zog er ins Digitale. Was er zuerst als Rückschritt sah, denn die Mittel waren anfangs deutlich begrenzter als die analogen, ist heute ausgeglichen: Eigentlich alle Film-Tricks kann Simon Puschmann auch heute mit digitaler Technik.

Früher ging es nach dem Shoot ins Labor, heute in die Post-Production. Mit seiner Erfahrung unterscheidet sich Simon Puschmann von vielen Jung-Fotografen, die Licht nicht mehr so perfekt setzen oder zig Elemente schießen und das dann in der Post zusammensetzen und manchmal auch retten müssen. „Je mehr Du photoshopst, umso mehr Fehler kannst Du machen", also lässt er sich immer noch mehr Zeit für das Foto und geht mit nur wenigen, dafür aber gut fotografierten Elementen an den Rechner und muss dort weniger schrauben.

Parallel zu den technischen Möglichkeiten steigen natürlich auch die Anforderungen der Kunden. Da werden gern schon mal 20.000 x 20.000 Pixel benötigt, mit viel Fleisch, für alle Formate – hoch, quer, panorama – denn die Bilder müssen nicht mehr auf klassischen Plakaten und Anzeigen gedruckt werden, sondern in viel mehr Medienkanälen – und da sind wir bei einer der tollen Entwicklung der letzten 10 Jahre: Es ist nicht nur mehr das eine Foto für die Kampagne, für die Simon Puschmann gebucht wird. Hier ein Making-Of, dort ein Film – Content Marketing, mehrkanalige Kampagnen, Dialog-Medien benötigen mehr und andere Inhalte und das macht es spannend - inklusive Instagram. Hier ist Simon unter @simonpuschmann vertreten, gerne auch mit seinen Hashtags #pushingthecraft und #unafraid, seinem Motto.

Finja & Svea by Pando Hall
Finja & Svea by Pando Hall. Pando liefert auch Bilder in den Stock. Nicht dieses, aber diese.

Pando Hall kennen wir von Getty und natürlich als Star Fotografen, der hunderte Stern-Titel produzierte. Pando Halls Stars heißen heute nicht mehr Nina Hagen oder Wolfgang Joop, seine Stars heißen @payton.r ,@clipshitland oder @finjaandsvea, sind 14 oder 17 Jahre alt und erfolgreiche Instagramer. „Die moderne Welt findet auf Instagram statt" sagt Pando Hall und lacht. Er selbst hat über 140.000 Follower, seine Stars das doppelte oder auch mal eine Million.

„2017 habe ich als absolute Kultur-Revolution erlebt", sagt Pando Hall und legt noch nach: „Früher hatten drei meiner Freunde ne Spiegelreflex und haben relativ schlechte Bilder gemacht. Heute haben sie alle ein iPhone und machen damit super gute Bilder. Draußen gibt es davon Millionen Menschen und alle haben Sie ihr Handy, Instagram und posten und liken, machen ihre super talentierten Filmchen für ihre Insta-Story und keiner guckt mehr fern. Alle gucken sie Insta, haben ihren Zeigefinger auf dem Handy, machen Doppelklicks und verteilen Likes."

Pando Hall freut sich, das ist seine Welt, Show Business ist sein Business. „Natürlich ist diese Welt eine mege gefakte Seifenblase, die Leute haben aber Spaß", sagt Pando und besonders viel Spaß hat Pando selbst, wenn dann die Super-Instagramer ihm eine DirektMail schicken und fragen, ob er sie nicht fotografieren kann. Denn mit seinen Bildern bekommen sie dann doch noch mal 3.000 oder 10.000 Likes mehr.

Viele dieser schönen Pando-Hall-Bilder finden wir dann wieder bei Getty und die Geschichte mit dem roten Faden ist wieder rund.

Was ist diese ästhetische Revolution, die 2017 statt fand? Dazu Pando Hall: „Eine neue Hardware wie das iPhone mit seiner Weitwinkelästhetik mit Schärfe von vorn bis hinten ist da, die Leute stürzen sich drauf, finden es geil und machen was damit." Die Industrie erfindet dazu Social Media, die Superstars @kimkardashian oder @selenagomez machen es vor, alle machen es nach, feiern sich selbst und plötzlich sind sie alle Stars und mega wichtig. „Instagram wurde erfunden", sagt Pando, „um Neid zu kreieren. Neid ist die beste Triebfeder für Konsum und Konsum ist das, was die USA schon immer wollten."

Die Mädchen posten ihre neuen Klamotten, die Männer posten ihre Autos oder ihre Protein-Shake-gemachten-Muskeln. Sie posten ihren Urlaub und natürlich ihr Mittagessen. Und alles muss super gut aussehen und das kostet nun mal. Keine Klamotte darf zweimal gepostet werden.

Die neue iPhone Ästhetik sieht man bereits in der Werbung, viele H&M Kampagnen sehen aus, als wären sie mit dem iPhone fotografiert. Unser Star Fotograf Pando Hall hat auch eine Canon-Profi-Kamera und wenn er die Bilder dann bearbeitet, sehen Sie am Ende aus, als wären sie mit dem iPhone fotografiert, haben aber genügend Megapixel, damit sie dann als Plakat an einer Häuserfläche hängen können.


Veröffentlicht am Dienstag, 10.07.2018 10:07
Kategorien: Fotografen Fotografie Die ersten 10

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