Referenzfotografie bei OSRAM

 
Mittwoch, 15.01.2020

Als Global Media Asset Managerin bei OSRAM kümmert sich Gabriele Ruppert seit zehn Jahren um die Referenzfotografie des bekannten High-Tech-Unternehmens. Vor welchen Herausforderungen steht sie? Andere Länder, andere Sitten? Und worauf kommt es bei der Vorbereitung auf ein Shooting an? Ein Einblick in die Arbeit mit Referenzfotografie.

Frau Ruppert, was ist das A und O bei der Referenzfotografie im Hause OSRAM?

Vorbereitung. Und zwar gründliche Vorbereitung. Da wir unsere Beleuchtungsprojekte vornehmlich on location fotografisch in Szene setzen, gehört als wichtiger Aspekt die Einholung eines sogenannten Object Consents dazu, also ein Location- oder Property Release. Das kann sich auf ein Gebäude oder einen Konferenzraum beziehen, aber auch auf eine Vase oder ein Kunstwerk, das im Bild zu sehen ist. Mir persönlich ist es darüber hinaus sehr wichtig, alle Beteiligten frühzeitig miteinander zu vernetzen, sodass das Team nicht erst beim Shooting zum ersten Mal miteinander kommuniziert.

Sind Sie bei den Shootings mit vor Ort oder lassen Sie dem Team freie Hand?

Sobald ich alle Beteiligten in ein Boot geholt habe, lasse ich sie als Team möglichst autark arbeiten. Das bedeutet, dass ich in der Kommunikation in Kopie sitze und mich nur einschalte, wenn es aus dem Ruder laufen sollte. Ich kümmere mich natürlich vorbereitend um rechtliche und terminliche Fragen. Das geschieht aber alles remote, ich fliege also nicht selbst hin, was in Zeiten des Klimawandels auch unnötig wäre. Da nutzen wir lieber die volle Klaviatur an modernen Kommunikationsmitteln, um Klein- und Kleinstprojektgruppen zusammenzuführen, damit sie vor Ort geschmeidig miteinander arbeiten können.

OSRAM Videowand
Osram stellt nicht einfach Lampen her wie früher, sondern ganze Beleuchtungskonzepte wie diese High-Res-Videoinstallation für PWC in Frankfurt. Damit ist das Unternehmen in den unterschiedlichsten Locations präsent. Foto: Markus Hintzen


Und die Fotografen?

Wir arbeiten fast ausschließlich mit lokalen Fotografen zusammen. Das hat viele Vorteile. Nehmen wir beispielsweise Dubai. Ein lokaler Fotograf ist mit der Rechtesituation vor Ort viel besser vertraut als ich, er kennt sich aus in seiner Hood. Es gibt Länder, in denen nur Fotografen arbeiten dürfen, die in dem entsprechenden Land auch gemeldet sind. Es kam tatsächlich schon vor, dass ein Fotograf diesen Nachweis vor dem Shooting zunächst erbringen musste. Jedes Land hat da andere Befindlichkeiten. Von OSRAM ist aber ohnehin immer jemand vor Ort: meistens derjenige, der das Projekt betreut, es kann auch schon mal der Vertriebler sein.

Sind die Vertriebler denn begeistert mit im Boot? Oder wie hält man sie bei Laune?

Indem wir ihnen unsere Wertschätzung entgegenbringen und dafür sorgen, dass es für sie so unkompliziert und angenehm wie möglich verläuft. Den meisten macht es Freude, mit am Set zu sein, sodass sie sich dementsprechend auch gern die Zeit nehmen. Wir arbeiten Hand in Hand mit der Marketingabteilung, die dem Vertriebler die Kommunikation mit uns abnimmt. In der Regel stellen wir dem Kunden die Bilder auch als Goodie kostenlos zur Verfügung.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die besonderen Herausforderungen in der Referenzfotografie?

Das Rechtemanagement ist eine sehr wichtige, zum Teil auch herausfordernde Komponente in meinem Arbeitsalltag. Wir müssen ja dafür sorgen, dass sämtliche Rechte am Bildmaterial in der Form eingekauft werden, dass der komplette Konzern das Material verwenden darf. Dazu gehören auch Tochterunternehmen mit anderen Marken. Sobald die Bilder im DAM-System zur Verfügung stehen, bedeutet es, dass die Prüfung stattgefunden hat und jeder Nutzer sorglos darauf zurückgreifen kann. Wir nennen es „bulletproof“, also kugelsicher. Sprich: Der User soll die Asset-Datenbank wie eine Selbstbedienungstheke nutzen können. Und bis es so weit ist, ist manchmal voller Einsatz nötig.

Haben Sie Beispiele?

Wir wollten eines unserer Beleuchtungskonzepte in einer Bibliothek in China fotografieren. Das wurde uns nicht erlaubt, weil zuvor schon anderweitig professionelle Bilder gemacht worden waren, die dann über die VG Bild-Kunst vermarktet wurden. Oder nehmen wir als Beispiel, wenn wir Referenzobjekte mit einem hohen Bekanntheitsgrad fotografieren lassen wollen: Ich bekomme dann deren Shooting Release, das ich genauestens prüfe und merke schnell: Den Vertrag kann OSRAM so nicht akzeptieren. Dann geht es ans Verhandeln: Was wollen wir? Zu welchen Konditionen sind wir dazu bereit? Wenn wir beispielsweise in einem Auktionshaus fotografieren, müssen wir wiederum schauen, ob Kunstwerke im Hintergrund zu sehen sind, für die wir ein gesondertes Release benötigen würden oder die entfernt werden müssen. Am Ende soll schließlich jeder bekommen, was er braucht.

Fashion Avenue Mall, Dubai
Fashion Avenue Mall, Dubai - Foto: Oliver Jackson


Vor Ort kann ja auch noch eine Menge schieflaufen. Worst case: Der Hausmeister ist nicht anwesend, um Zugang zum Gebäude zu verschaffen. Kommt so etwas vor?

Wir hatten schon mal den Fall, dass der Programmierer nicht da war, um sich um die Lichtinstallation zu kümmern, die fotografiert werden sollte. Es kam auch schon vor, dass ein Fotograf unverrichteter Dinge wieder abreisen musste. Deswegen ist es immer wieder wichtig, vorzubeugen. Auch deshalb pochen wir darauf, dass jemand von OSRAM dabei ist und der Fotograf Unterstützung erfährt. Eine weitere Herausforderung kann auch das Gebäude an sich sein, beispielsweise ein Hochhaus in Hongkong, das so sehr eingebaut ist, dass es sich nur schwer ablichten lässt. Dann machen wir in erster Linie Detailaufnahmen, sehen zu, dass wir mit einer Drohne fotografieren dürfen und schicken den Fotografen vorab zur Location, damit er schauen kann, in welches Nachbargebäude wir Zugang bekommen, um gegebenenfalls von dort aus zu fotografieren. Für den besonderen Shoot muss man auch schon mal Klinken putzen gehen.

Sie arbeiten mit einer Fotografen-Agentur zusammen, die Ihnen weltweit Shootings on location organisiert.

Ja, wir arbeiten eng mit fotogloria aus Hamburg zusammen. Sie kennen sich bestens aus mit professionellen Fotografen, die Expertise in Inszenierung von Licht haben. Früher haben wir die Fotografen direkt gebucht. Unser Wunsch war aber, ein internationales Netzwerk zu etablieren und dabei ist fotogloria eine große Hilfe. Manchmal übernehmen wir aber auch selbst den Part der Kreativagentur. Dabei kann es sich um ein frisch gelaunchtes Produkt handeln oder auch um ein Zukunftsthema wie autonomes Fahren, zu dem noch kein Bildmaterial vorliegt. Wir kümmern uns im Übrigen auch um die Fotografie für Redaktionspläne. In der Hinsicht werden wir stark von der Agentur gefordert, die dieses Projekt betreut, sie briefen uns ganz genau. Oftmals geht es um einen Spezialfall wie zum Beispiel Fotografie im Reinraum. In dem Fall hat die Agentur die Hoheit.

Stichwort Storytelling: Gibt es auch Handyfotos in der Datenbank?

Da haben wir eine Regel aufgestellt: Wir unterscheiden Bilder mit einem „Value“, also einem besonderen Wert, und Bilder, die – grob gesagt – „Knipserei“ sind. Unser Credo bei den Value-Bildern ist: Es wird nichts veröffentlicht, was nicht vorher in unserem DAM-System ist und geprüft wurde. Natürlich macht auch mal jemand ein Bild mit dem Smartphone oder es gibt den einen oder anderen Livestream. Dann gehen wir sehenden Auges darauf zu und entfernen das Bild selbstverständlich sofort, sollte hinterher mal jemand meckern. Was Kanäle wie soziale Netzwerke angeht, verlangen wir keine Doku mehr, der Durchsatz ist viel zu hoch. Die Bilder finden ohne Nutzungsrechtevertrag und Model Release dann aber auch keinen Eingang in die Datenbank. Es sei denn, das Bild hat doch einen besonderen Wert, weil wir beispielsweise eine Auszeichnung verliehen bekommen haben und jemand lichtet die Preisverleihung mit dem Smartphone ab. Und auf Messen haben wir in der Regel einen Fotografen engagiert, der sich um die Dokumentation kümmert. Mit diesen Bildern wird die Datenbank dann bestückt.

Frau Ruppert, vielen Dank für das Gespräch und die tiefen Einblicke!

Wir Bildbeschaffer möchten in den nächsten Ausgaben unseres Magazins noch weitere Aspekte zum Thema Referenzen beleuchten, zum Beispiel: Referenz-Nennungen für Werbeagenturen und Fotografen.


Veröffentlicht am Mittwoch, 15.01.2020 09:01
Kategorien: Thema des Monats Fotografie fotogloria Referenz-Fotografie OSRAM

Wenn Sie möchten, einmal pro Monat als Magazin per Email.


Weitere News:

  • Schutz vor Bilderklau

    Dienstag, 17.11.2020 |

    Dass Bilder kein Freiwild sind, wissen Sie. Dass Sie keine geklauten Bilder zeigen, können Sie nur hoffen. Oder? 
    Google zeigt uns gerade, wie Sie die Kontrolle in die Hand nehmen können. Details im Webinar Google Bildersuche.

    Weiterlesen...

  • Argumente gegen Bilderklau

    Montag, 02.11.2020 | Tipps & Tricks

    Sind Sie genervt davon, dass Kollegen Bilder irgendwo finden und "einfach so" einsetzen? Und die Kollegen sind genervt vom Oberlehrer, der meckert, obwohl ja noch nie etwas passierte? Unser Webinar zu Kostenlosen Bildquellen!

    Weiterlesen...

  • Tea Time Talk 1: Der Wert des Bildes

    Montag, 02.11.2020 | Thema des Monats

    Was passiert, wenn sich ein renommierter Fotograf, eine gestandene Art Buyerin, eine Global Media Asset Managerin eines großen Konzerns und der Geschäftsführer der dpa Picture-Alliance treffen und über den Wertverfall von Fotos, die Preispolitik beim Bildeinkauf und die Zukunft von Fotografie diskutieren?

    Weiterlesen...

  • Bildredaktion

    Montag, 02.11.2020 | Agentur des Monats

    Unternehmen haben andere Anforderungen ans Bild als Werbeagenturen, Verlage oder Institutionen. Wo fängt Bildredaktion an, wo Artbuying oder reine Bildbeschaffung?

    Weiterlesen...